Telemedizin hilft in Bosnien

Graphische Datenverarbeitung macht Ultraschall plastisch
This article is taken from the Darmstädter Echo (October, 2nd 1996)

(mam). Tuzla, Bosnien: Unscheinbar sieht er aus, der grüne, 40 Kilogramm schwere Rucksack. Doch darin verbirgt sich High-Tech aus Darmstadt: Das tragbare Ultraschallgerät und die Computer-Workstation arbeiten mit medizinischer Software vom Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) in der Elisabethenstraße. Als erstes Programm dieser Art kann TeleInViVo aus etwa 200 einzelnen Ultraschallschichten in Minutenschnelle 3D Bilder berechnen. "Tele" steht für ein weiteres Extra: Der behandelnde Arzt kann die Daten über Satellitentelefon oder Modem mit sntsprechend ausgerüsteten Experten aus aller Welt besprechen.

"Die 3D Technik friert das Krankheitsbild quasi ein", erläutert Dr. Georg Sakas. Er hat die Software für TeleInViVo mit etwa zehn Mitarbeitern am IGD entwickelt. Anders als bei einer Einzelaufnahme kan man so jederzeit eine bestimmte Stelle wiederfinden. Den ersten Härtetest hat der Prototyp diesen Sommer während der NATO Mission in Bosnien bestanden.

Amerikanische Ärzte haben das tragbare Ultraschallgerät vor allem für die Betreung von schwangeren eingesetzt. Mißbildungen der Föten wie eine Hasenscharte oder Spina bifida kann man auf diese Weise erkennen. Bei erwachsenen habe man oft Hepatitis und Leberkrebs diagnostiziert. Die Zusammenarbeit mit den Amerikanern ist eng: Die Sensortechnik hat das Fraunhofer-Schwesterinstitut Batelle Pacific Northwest Laboratrory in Kalifornien geliefert. Die Entwicklung des etwa 100.000 Mark teuren Geräts wurde mit einem Forschungsfond des amerikanischen Verteidigungsministerium und der US-Armee finanziert. Sakas sieht weiter Einsatzmöglichkeiten in der 3.Welt, in Katastrophengebieten, aber auch auf Schiffen oder in dünn besiedelten Regionen, wie den Griechischen Inseln. Die nächste Geräteversion soll nur noch die Hälfte wiegen und entsprechend billiger werden. TeleInViVo ist nur das jüngste Kind aus der sechsjährigen Arbeit an seinem Vorgänger InViVo. Gerade eben wurde es mit dem Fraunhofer-Forschungspreis 1996 ausgezeichnet, wie der Forscher mit einem Quentchen Stolz erzählt.