3D-Ultraschall: Babys im Mutterleib

27. April 1999, article on the web: www.quarks.de/blick_in_den_koerper/0502.htm
Schon seit den 70-er Jahren werden Babys im Mutterleib mit Ultraschallwellen untersucht - bewegende Momente für werdende Mütter und Väter, wenn sie das erste Mal Schwarz auf Weiß ihren Nachwuchs erblicken. Unbeteiligte allerdings behaupten oft, die Abbildungen sähen eher aus wie gestörte Fernsehbilder. Tatsächlich ist für den Laien oft nur wenig zu erkennen.

Seit ein paar Jahren beginnt das, anders zu werden. Denn inzwischen gibt es Ultraschallbilder auch in 3D. Ein neuartiger Schallkopf macht hierfür ständig drei zweidimensionale Aufnahmen gleichzeitig, die auch gleichzeitig auf dem Monitor angezeigt werden. Die Schnittebenen dieser drei Bilder stehen genau senkrecht zueinander. Beispiel Gesicht: Die eine Ebene ist beispielsweise die Profildarstellung von der Seite, die andere eine Ansicht von oben und die dritte der Blick von vorne. Verschiebt der Untersucher den Schallkopf in der einen Ebene, also zum Beispiel von oben nach unten, wird durch eine farbige Markierung auch in den anderen Bildern angezeigt, wo sich die dritte Schnittebene gerade befindet, auf Höhe des Kinns, der Nase, der Stirn etc.. Der Untersucher weiß also immer ganz genau, wo er gerade ist.

Schon das ist eine sensationelle Neuerung der Ultraschalltechnik: Denn bisher konnte der Untersucher nur durch freihändiges Drehen des Schallkopfes die Schnittebene wechseln. Selbst ein erfahrener Arzt konnte sich dabei nie hundertprozentig sicher sein, in welchem Winkel die neue Ebene zur alten stand. Es gab also immer eine gewisse Ungenauigkeit, die manchmal auch zu Fehldiagnosen führen konnte.

Mit der neuen Technik kann der Computer aus den drei zweidimensionalen Schnittbildern jetzt sogar ein dreidimensionales Bild errechnen. Der Untersucher legt dafür auf dem Bildschirm per Mausklick fest, welchen Ausschnitt des Bildes er in 3D darstellen möchte, denn die Kapazität des Computers erlaubt nur die Berechnung eines bestimmten Volumens. In früheren Stadien der Schwangerschaft kann noch das ganze Kind, später dann nur noch Ausschnitte, zum Beispiel das Gesicht, ein Fuß oder eine Hand dargestellt werden.

Das erste dreidimensionale Rohbild, das der Computer errechnet hat, kann auf dem Monitor noch weiter bearbeitet werden. Strukturen wie zum Beispiel Gebärmutterwand, Plazenta oder Nabelschnur, die den zu untersuchenden Ausschnitt teilweise verdecken, können mit einem so genannten elektronischen Skalpell "weggeschnitten" werden.
Wenn die Bedingungen günstig sind, also wenn das Kind sein Gesicht nicht gerade völlig hinter der Plazenta versteckt und viel Fruchtwasser zur Schalleitung vorhanden ist, können Ultraschallaufnahmen entstehen, die sich in jedem Familienalbum sehen lassen können.

Mit etwas Glück können sogar bewegte 3D-Aufnahmen gelingen, bisher allerdings nur mit vier Bildern pro Sekunde.
Neben dem speziellen 3D-Schallkopf gibt es eine weitere Technik, mit der sich dreidimensionale Ultraschallaufnahmen machen lassen können: eine spezielle Software, mit der herkömmliche 2D-Geräte aufgerüstet werden können. Hier misst ein so genannter Tracker mit Hilfe eines Magnetfeldes, in welcher Position der Untersucher den Schallkopf gerade hält. Aus mehreren Bildern, die aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen wurden, errechnet das Programm dann die räumliche Darstellung. Diese Aufnahmen sind jedoch ungenauer als diejenigen, die mit dem speziellen 3D-Schallkopf gemacht wurden, und bewegte Bilder lassen sich so auch nicht machen.