Frauenärzte proben an der Puppe

This article is taken from Spiegel online (www.spiegel.de), March 2002

Ähnlich wie Piloten können jetzt auch Gynäkologen für den Ernstfall trainieren: Ein in Hannover entwickelter Ultraschallsimulator konfrontiert übende Ärzte auch mit seltenen Missbildungen von Ungeborenen.


Ultraschallsimulator: Schnittebene in Echtzeit

Ein Ultraschallbild ist für einen Frauenarzt nichts Neues - entscheidend ist allerdings, ob er es auch richtig interpretieren kann. Dass ein Gynäkologe außerhalb eines Pränatalzentrums eine fetale Missbildung wie etwa die so genannte thanatophore Skelettdysplasie zu sehen bekommt, ist sehr unwahrscheinlich: Die tödlich verlaufende extreme Störung des Knochenwachstums tritt nur bei einem von 40.000 Neugeborenen auf.

Dennoch muss jeder Gynäkologe in Klinik und Praxis in der Lage sein, derartige Fehlbildungen bei der Ultraschalluntersuchung seiner schwangeren Patientinnen zu erkennen. Christof Sohn, Leiter der Frauenklinik an der Medizinischen Hochschule Hannover, hat deshalb einen "Ultraschallsimulator" entwickelt, mit dem sich die pränatale Diagnose unter realistischen Bedingungen trainieren lässt.

Ähnlich wie Piloten im Flugsimulator können sich Gynäkologen mit dem Gerät zahlreiche fetale Erkrankungen darstellen lassen und zum Beispiel testen, ob sie eine Missbildung unter einer Vielzahl von normalen Befunden erkennen können. Der Übende untersucht dabei eine Puppe mit einer Ultraschallkopfattrappe, in die ein Sensor integriert ist.

Aus Datensätzen verschiedener Befunde, die im Vorfeld der Entwicklung mittels 3D-Sonographie aufgenommen wurden, errechnet derweil ein leistungsfähiger Computer eine entsprechende Schnittebene, die in Echtzeit am Bildschirm angezeigt wird. Einzig die Bewegungen des Kindes und das schlagende Herz lassen sich noch nicht simulieren, aber in naher Zukunft soll auch das möglich sein.

Der Ultraschallsimulator steht derzeit nur in Hannover, soll aber nach und nach an weiteren deutschen Frauenkliniken eingeführt werden. Auch aus Amerika gibt es mittlerweile Interesse an dem Gerät.